Hygienevorschriften

  • Hallo,


    ich habe da mal eine Frage. Wo wir doch letztens uns noch über den vielen Müll und die Entsorgung unterhalten haben, kam bei uns diese Diskussion heute mal wieder auf.
    Unsere PD sagt, dass KS nur noch Einmaltücher zum Abtrockner ihrer Hände benutzen dürfen, dies hat das Rober Koch Institut vorgeschrieben. Wer weis etwas darüber? Würde mich echt interessieren, ob dieser zusätzliche Müll notwendig ist. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass diese dann in den Papiermüll dürfen. Wenn dies aus hygienischen Gründen nötig ist, kann der Papiermüll doch nicht kontaminiert :twisted: werden.


    Würde mich echt interessieren wie das bei Euren PD's so ist.


    LG Kornelia

    Korinna (27) Geburtsschaden, Tetraspastik, Tracheostoma, therapieresistentes Anfallsleiden, PEG, Skoliose, Refluxösophagitis, Mikrocephalus

  • hi
    ach das robert koch institut hat das gesagt.und wer zahlt die dann? der pd??
    so ein quatsch,wir reden doch von der häusslichen pflege und nicht vom krankenhaus.
    da sehe ich den sinn ja ein,aber doch nicht zuhause.
    also meine machen so einen quatsch nicht und trocknen ihre hände an normalen handtüchern ab.


    oder denkt ihr das die hygienischen bediengungen zu hause mit denen im kh entsprechen.
    möbel die mit desinfektionsmittel abgewaschen werden haben wir zuhause nicht.und sicher ist dies im kh vorschrieft(bett nachtschrank usw)

  • Hi Ingeborg,


    die Papiertücher zahlt der PD, den Müll wie immer ich. Bei uns werden übrigens das Bett als auch der Gerätewagen/Nachttisch mit sterilen Tüchern abgewischt, ist ja ....Vorschrift :wink: .
    Aber ich denke da genau wie Du. Wir sind doch zu Hause, es gibt nur einen Patienten und eine Pflegekraft. Handtücher können sogar gewaschen werden.
    Ich möchte den zusätzlichen Müll weder vorher lagern noch hinter. Habe dann vorgeschlagen, dass jeder die Tücher im Auto hat und gebrauchte wieder mitnimmt. Glaube das kommt nicht gut, aber unsere Kinder sind doch zu Hause und nicht im KKH, wo ich diese Vorgehensweise verstehen kann.
    Mich würde echt interessieren, ob die Vorschrift wirklich für die häusl. Krankenpflege ist.


    LG Kornelia

    Korinna (27) Geburtsschaden, Tetraspastik, Tracheostoma, therapieresistentes Anfallsleiden, PEG, Skoliose, Refluxösophagitis, Mikrocephalus

  • Hallo Kornelia


    Das Robert Koch Institut gibt, unter anderem, allgemein anerkannte Hygiene - Standards für medizinische und pflegerische Einrichtungen heraus. Dem RKI ist das völlig egal ob diese dann auch eingehalten werden. Der MDK allerdings prüft den Pflegedienst regelmäßig auf festgelegte Qualitätskriterien. Dazu gehören auch die Hygienestandards.


    Nun sagt das RKI, dass in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen zum Abtrocknen der Hände, Einmalhandtücher verwendet werden sollen, um eine Keimübertragung zu verhindern.


    Im häuslichen Bereich ist das sicher nicht so dramatisch zu sehen wie in der Klinik oder Praxis. Allerdings, muss man sich im klaren sein, dass das Hände waschen nur zu einer unbedeutenden Keimreduktion führt (ganz im Gegensatz zur Hände - Desinfektion). Wer sich also nach dem Waschen die Hände abtrocknet, hinterlässt sein Keimspektrum auch am Handtuch. Wer es sich eklig vorstellen mag: Die Coli Bakterien oder Noro Viren landen nach dem Toilettengang zwangsläufig auch im Handtuch und warten dort geduldig auf den nächsten Gast.


    Das, gut gemeinte, Händewaschen der Pflegekraft oder des Therapeuten vor dem Patientenkontakt, hinterlässt seine Keim - Spuren vom vorher besuchten Patienten, im Gästehandtuch.


    Einmalhandtücher können also auch im häuslichen Umfeld durchaus sinnvoll sein.


    Das können Papierhandtücher sein, alternativ funktionieren auch kleine Gästehandtücher die nach einmaligen Gebrauch gleich in den Wäschekorb gehen.


    Der Pflegedienst muss vor diesem Hintergrund, unter Umständen dem MDK nachvollziehbar erklären, warum das in manchen Versorgungen nicht so gehandhabt wird. Das Thema einfach zu ignorieren zählt hier auf alle Fälle nicht.


    Bleibt das Müll- Problem. Ich persönlich würde gebrauchte Papierhandtücher einfach im Altpapiercontainer entsorgen. Die Handtücher sind ja nicht ernsthaft verschmutzt oder "problemhaft" kontaminiert.


    Grüße


    Toni Huber

  • Hallo Toni,


    danke für die ausführliche Erklärung.
    Ich kann das auch verstehen.
    Da aber unsere KS von zu Hause kommen und wieder nach Hause fahren besteht ja kein anderer Patientenkontakt und es gibt sowieso für sie ein eigenes Gästehandtuch.. Ja, natürlich sind auch bei den KS zu Hause Bakterien unterwegs. Aber da bei uns sowieso immer Händedesinfektion angesagt ist, womit die Hygiene ja gewährt wird, dürfte ja auch der PD beim MDK einfach argumentieren können. Oder sehe ich dies zu einfach.


    LG Kornelia

    Korinna (27) Geburtsschaden, Tetraspastik, Tracheostoma, therapieresistentes Anfallsleiden, PEG, Skoliose, Refluxösophagitis, Mikrocephalus

  • hi
    also bei uns ist es auch hygienisch nur eben ohne flächendesinfektion und einmal handschuhe.
    händedesinfektion ist ja schon logisch.
    händewaschen alleine sehe ich da auch nicht als ausreichend.
    abgewaschen wird alles aber eben mit normalen putzzeug.
    wir haben holzbetten und die möbel sind auch aus holz.
    die wickelauflage ist abwaschbar.
    waschlappen wird täglich nach dem waschen gewechselt.
    regelmäßige reinigung der künstl.lunge ect.pp logisch und wichtig.
    aber eben anders als im kh.
    dort gibt es z.b auch beim absaugen behälter die das sekret in gelmasse umwandeln(weiß nicht wie ich das anders ausdrücken soll.)
    bei uns ist das nicht so.
    wir haben sterile handschuhe und bei jedem absaugvorgang einen neuen absauger.
    was ich nicht verstehe ist das man auf einmal handtücher wert legt,diese dann auch durch die kk bezahlt werden sollen,aber absauger werden mit unter einzeln abgezählt.sterile handschuhe ist nicht immer norm.
    kanülen sollen über wochen beahlten werden usw usw.aber handtücher sind dann das mass aller dinge.
    das passt doch nicht zusammen.
    oder ?
    lg ingeborg

  • Na, ich weiss nicht ! Die spinnen, die .... !!!
    Habt ihr dann auch EInmal-Türklinken und Einmal-Schranktüren ???
    Die berührt doch auch jeder und holt sich, was da so drauf ist.
    in jeder Schicht ist nur eine KKS da, die kommt von draussen und geht dahin wieder zurück.
    Kein weiterer Patientenkontakt. da muss es doch reichen, wenn zu jeder Schicht ein frisches
    Gästehandtuch benutzt wird. Man kanns echt übertreiben.
    Gut, dass Euer PD nicht mit Konrad zum Ringerzeltlager gehen muss. Das wäre bestimmt lustig !!!
    steriles Camping !!

  • Hallo,


    da hat mal wieder jemand beim PD nichts zu tun gehabt.


    Wir haben ja auch sonst nichts zu tun.....


    Allerdings würde mich interessieren, ob die Pflegekräfte von euren PD sich auch bei anderen Patienten die Hände an Papiertüchern abtrocknen sollen, oder ob sie sich auf ihrer Tour gar nicht die Hände waschen. :oops:
    Oder dürfen sie dort die vorhandenen ( wenn vorhanden ) Gästehandtücher benutzen? Wenn sie so eine Tour fahren, gehen sie ja in ganz schön viele Haushalte und können dadurch meiner Meinung nach eher Keime verteilen als wenn sie bei uns zu Hause ihr eigenes Gästehandtuch benutzen ( oder mehrere wenn nötig ? )


    Übrigends: unsere Papiertonne läuft auch über :lol: - nicht nur der normale Müll.
    Tipp: draufklettern und mit Gummistiefeln stampfen :lol::lol::lol::lol:


    Liebe Grüße
    Moni

  • Hallo,


    hier kommt es auch immer mal wieder vor, dass der PD eigene Vorschriften oder Standards hat, die wir aber nicht möchten. Da wird dann vermerkt, dass es auf Wunsch der Eltern nach dem Standard der Familie erfolgt.
    Bezüglich des Themas Abtrocknen haben wir ein kleines Händehandtuch, das täglich gewechselt wird.


    LG
    Nellie

    Nellie *1978 mit Linn *02/04 (mehrfachbehindert durch PCH-2, Sondenkind, Tracheostoma, nachts beatmet) und Ann *06/09
    - Regionalleitung Thüringen der INTENSIVkinder zuhause e.V. -

  • Hallo,


    das mit den Einmal-Türklinken und Griffen ist genial. Ich werde mal fragen, wie das daso ist mit der Hygiene :D .
    Der PD hat auch KS die ein Zeltlager mitmachen würden ohne in Panik zu verfallen.


    Unsere KS fahren ja gar keine Touren. Die kommen von zu Hause nach uns und zum Schluss geht es wieder heim. In den anderen Teams gibt es auch Papierhandtücher, ob die benutzt werden keine Ahnung.


    Die Idee es in den Akten vermerken zu lassen, dass wir die Benutzung von Gästehandtüchern wünschen ist glaube ich eine gute Lösung. So wird es ja sowieso gemacht.


    Einen schönen Sonntag Kornelia

    Korinna (27) Geburtsschaden, Tetraspastik, Tracheostoma, therapieresistentes Anfallsleiden, PEG, Skoliose, Refluxösophagitis, Mikrocephalus

  • Hallo,


    benutzte Papierhandtücher sind "Hygienetücher" und dürfen NICHT in die Papiertonne!


    Ich bin in der Mülltrennung ein bisschen und damit immer einen Lacher wert beim PD- ist aber so.
    Ich habe bis zum Ministerium geschrieben, weil die Verpackung der Absaugkatheter im Sinne der Verpackungsdefinition eine "Verpackung darstellt und damit in den Grünen Punkt gehört. :mrgreen: (Die Katheter selbst sind natürlich Hausmüll). Was bdeutet, dass ich die nicht wieder aus Tonne sammle, auch wenn unser Müllunternehmen mich dazu auffordert. :P


    Naja, zurück zur Frage: wir haben Gästehandtücher, die täglich gewechselt werden, bei Verschmutzung häufiger.


    Viele Grüße
    Mandy

  • Hallo,


    die Vorschriften werden immer mehr :twisted:


    Es dürfen nur noch NaCl -Flaschen für 24 Std. geöffnet sein. Wir benutzen aber 100 ml Flaschen die ca. 5 Tage reichen. Dies handhaben wir schon seit über 15 Jahren so und es hat Korinna beim besten Willen noch nie geschadet.


    Es muss Dienstkleidung getragen werden, Vorschrift von der BG. Bisher durften unsere KS Kleidung die bei 60 Grad gewaschen werden tragen. Wir möchten doch noch etwas Heimatatmosphäre und keine Klinikstimmung zu Hause.


    Ob da auch der Satz

    Zitat von Nellie

    auf Wunsch der Eltern nach dem Standard der Familie erfolgt.

    ausreicht. Was denkt Ihr?


    LG Kornelia

    Korinna (27) Geburtsschaden, Tetraspastik, Tracheostoma, therapieresistentes Anfallsleiden, PEG, Skoliose, Refluxösophagitis, Mikrocephalus

  • Hallo Kornelia,


    das mit den 24 h für die großen Nacl Flaschen kenne ich auch.
    Deshalb benutzen wir: 10 ml Plastikampullen - pro Inhalation eine. ( Müsst ihr zuzahlen? )
    Aber das mit der Kleidung finde ich übertrieben.
    Wie stehen denn die KS dazu? Aber deren Aussage hilft meist nicht bei den PD-Leitungen.
    Wer ist BG ?
    Also bei uns tragen die KS ihre ganz normale Alltagskleidung. Und ich glaube davon ist nicht jedes Teil bei 60 Grad waschbar :lol:


    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende
    Monika

  • Hallo Moni,


    BG = Berufsgenossenschaft


    Nein, es geht mir einfach um Müllvermeidung und auch Kostenminderung. Davon mal abgesehen, dass es Korinna bisher noch nicht geschadet hat.


    LG Kornelia

    Korinna (27) Geburtsschaden, Tetraspastik, Tracheostoma, therapieresistentes Anfallsleiden, PEG, Skoliose, Refluxösophagitis, Mikrocephalus

  • Bei dem Nacl geht's denke ich nur mal drum, dass sich in den 5 Tagen schon ein paar Keime darin vermehren können.
    Die Schwestern haben ja zu Hause keine Möglichkeit eine Teilmenge steril zu entnehmen.
    Wenn es nicht mehr kostet würde ich des Friedens Willen auf kleine Verpackungseinheiten umsteigen.


    Unsere KK hat es auch nicht interessiert, dass wir sparen wollen.

    Lea, geb. 11/2008
    schwere therapieresistente Epilepsie (EEG=Burst-Suppression)
    Muskelschwäche
    PEG seit 04/09
    Tracheostoma seit 05/09

  • Hallo Kornelia,


    zur Kleidung: ich hatte noch nie vernommen, dass die Berufsgenossenschaft hier die Hygiene vorschreibt; ich kenne es eher vom Gesundheitsamt. Vielleicht hat der Sachbearbeiter die "besondere" Situation in der häuslichen Pflege nicht verstanden:
    - das Tragen von "Klniikskleidung" kann zu Stigmatisierung führen und Integration des Schwerkranken verhindern
    - weckt beim Kind die Traumen aus der Klinik


    Habt ihr euch diesbezüglich schon mit der PDL unterhalten.


    Zum NaCl:


    - wie kommt der PD darauf? Hat der MDK sich dazu geäußert.
    Die kleinen Behältnisse / Ampullen fürs NaCl können, meines Wissens, nur verschrieben werden, wenn Sie zur Verdünnung von Inhalationesmedikamenten dienen. Selbst das Händling mit dem Ampullen, wenn diese den ganzen Tag verwendet werden, ist nicht hygienisch gut ohne Spike mit Filter. Maßgeblch ist dabei auch: Was sagt euer Kindrarzt, denn der muss es verschreiben, auch, wie es anzuwenden ist.


    - Daneben sollte man die Aussage der MDKs zur Befeuchtung von Sauerstoff beachten: Zur Befeuchtung von Sauerstoffe reiche es aus, 1 x Tag Leitungswasser abzukochen für den Befeuchter. In der Beatmung gibt es nur medizinisches mehrfach destiliertes Wasser, damit der Atemgasbefeuchter keinen Schaden nimmt (so meine Kenntnis). Die Wasserflaschen bei der Beatmung werden gewechselt, wenn sie leer sind.


    Mit Gruß,


    Dirk

  • Hallo Kornelia,


    wie Ines schon schreibt, unsere KK interessiert es auch nicht wenn wir sparen wollen.
    Im Gegenteil, ich hatte deshalb schon oft Diskussionen, wenn ich erklärte, warum eine große Packung sinnvoller ist.


    Wenn es deiner Tochter aber nichts ausmacht, sehe ich keinen Grund von den großen NaCl auf die kleinen Ampullen umzustellen. Aber da Alexandra bei jedem Keim ruft : Hallo hier bin ich, dich kenne ich ja noch nicht :lol: - verwenden wir lieber die 10 ml Ampullen - zumal wir die ganzen 10 ml jedesmal inhalieren.
    Also kein Rest bleibt, der verkeimen könnte.


    Die Argumente von Dirk wg der Berufskleidung finde ich sehr gut und ich hoffe sie helfen dir.


    Liebe Grüße
    Monika

  • Danke für Eure Antworten.


    Besonders die Argumente von Dirk sind total aussagekräftig, dass ist doch mal was für den PD zum Verdauen.


    Nochmals Danke. Kornelia

    Korinna (27) Geburtsschaden, Tetraspastik, Tracheostoma, therapieresistentes Anfallsleiden, PEG, Skoliose, Refluxösophagitis, Mikrocephalus

  • Hallo


    Die Berufsgenossenschaft kümmert sich um den Arbeitsschutz ihrer Versicherten, also der Pflegekräfte. Die Aussagen zur Arbeitskleidung dienen in diesem Fall dem Infektionsschutz der Pflegekräfte. Wie stringent die Vorschriften im ambulanten Bereich umzusetzen sind ist sicher etwas Auslegungssache. Wie so oft geht man halt vom schlimmsten Fall aus. Und da versagt die Berufsgenossenschaft unter Umständen die Behandlungs- und Nachsorgekosten im Falle einer infektionsbedingten Berufserkrankung.


    Ich denke man sollte etwas Verständnis dafür aufbringen, dass die Pflegedienste berufliche Leistungserbringer der Pflege sind und sich deshalb in einem engen Rahmen von Gesetzen, Vorschiften und Vertragsbedingungen bewegen. Die selbe Tätigkeit von einem Angehörigen oder dem Mitarbeiter eines Pflegedienstes durchgeführt unterliegen teilweise vollkommen unterschiedlichen Vorschriften und Regelungen. Hygiene ist im professionellen Bereich eben nicht mehr nur eine Frage des "gesunden Menschenverstandes" sondern ein Einhalten von recht deutlich abgesteckten Richtlinien.
    So sagt die Packungsbeilage von NaCl 0,9% z.B.: "Angebrochene Behältnisse dürfen nicht aufbewahrt werden, Restmengen müssen verworfen werden." Als Angehörige kann man die Flasche so lange stehen lassen wie man will. Als professionell Pflegender muss ich die Restmengen verwerfen.
    Der Pflegedienst in Person von Geschäftsführung und Pflegedienstleitung haben im Schadensfall Zivil- und Strafrechtlich den Kopf hinzuhalten. Ein "die anderen machen das doch auch" oder "das haben wir schon immer so gemacht" interessiert den Staatsanwalt überhaupt nicht.


    Liebe Grüße


    Toni Huber